Wie war das noch gleich bei uns? "Ich sah, was dort weiter ist, und zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur habe ich das Buch fertig geschrieben." Fertig habe ich es ja geschrieben, aber in welcher Form es vorlag, wusste nur Gott allein. Ja, und noch meine wenigen Leser, Eva und Thor und Ham. Das, was hinter dem Text stand, sahen und schÄtzten sie, aber der Text selbst ließ, gelinde gesagt, sehr zu wÝnschen Ýbrig. Mein Deutsch ist auch jetzt nicht besonders, aber damals erst... Ich musste schnellstens einen ýbersetzer finden, der den Text in eine leicht verdauliche Form bringen wÝrde.
Mir persÆnlich schien diese Aufgabe unlÆsbar.
Es gab zwei Probleme. Erstens sollte der gesuchte ýbersetzer zwei Sprachen vollkommen beherrschen - Russisch und Deutsch - , damit ich ihm detailliert erklÄren kÆnnte, was gemeint war. Und zweitens sollte er ein guter Mensch sein. Was das bedeutet, konnte ich nicht genau formulieren, deshalb hatte ich vor, meinem inneren GefÝhl nach zu urteilen. Aber es gab niemanden zu beurteilen. Die beiden ýbersetzer, die ich kannte, beschÄftigten sich ausschließlich mit der ýbersetzung von russischen Dokumenten ins Deutsche, hÆchstens noch mit der ýbersetzung von technischen Texten. Was aber den zweiten Punkt betraf, der tatsÄchlich der erste war, so sah die Sache noch schlimmer aus.
Sascha rettete mich. Er verkÝndete, dass es Ýberhaupt kein Problem gÄbe und gab mir die Telefonnummer von Dia, die ihm auch irgendwelche Dokumente Ýbersetzt hatte. Sie lebte allerdings in Wien, und Sascha hatte sie persÆnlich nie gesehen, nur am Telefon mit ihr gesprochen. "Sie ist genau die richtige fÝr dich" verkÝndete er fest.
Ich rief an. Als ich ihre Stimme hÆrte, verstand ich, dass Sascha recht hatte - anders kann ich meine damalige Empfindung gar nicht beschreiben - und erzÄhlte ihr, worum es ging. Sie berief sich auf große ArbeitsÝberlastung, irgendein eiliger Auftrag, bat aber, ihr einen kleinen Textauszug zur Probe zu schicken. Einfach um zu wissen, wovon die Rede sei.
Ich schickte das erste Kapitel.
Nachdem sie es gelesen hatte, entschied Dia, dass sie irgendwie Zeit dafÝr finden und das Buch in Arbeit nehmen wÝrde. Da wir in verschiedenen StÄdten wohnten, musste ich ihr schriftlich erklÄren, was genau ich sagen wollte. D. h. es musste ein russischer Text her, - und den musste ich schreiben. Dia erkundigte sich in einem Verlag nach dem Honorar fÝr eine solche Arbeit und wir einigten uns Ýber den Preis. Vorauseilend sage ich, dass sie es ablehnte, von mir Geld zu nehmen, als das Buch ganz fertig war.
UngewÆhnlich ausdrucksvolle Augen, sehr stilvoll frisierte dichte schwarze Haare und eine Figur, wie aus Marmor gemeißelt; Liebe zur Literatur und Malerei, zu Pferden und zum Theater, zu auserlesener Kleidung und BÄllen - Dia hatte alles das und noch viel mehr. Sie erschien mir wie die lebendige Personifizierung jenes fernen, wundervollen, nie von mir erblickten Wiens Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts; jenes Wiens, in dem
Elegant gekleidete Damen die SÄle der Wiener psychiatrischen Gesellschaft bevÆlkerten; um den in Mode kommenden Freud zu hÆren, Schnitzler hingegen mutig um die Inszenierung seines berÝhmt-berÝchtigten "Reigens" kÄmpfte und noch nicht wusste, dass diese Schlacht achtzig Jahre wÄhren und er das siegreiche Ende persÆnlich nicht erleben sollte;
Klimt, erschÝttert von der SchÆnheit der Frau an sich, sie in das malerische Symbol seiner Zeit verwandelte, Schiele aber seine "Gruppe neuer Kunst" grÝndete und dabei bekrÄftigte, dass Ýbrigens gar keine neue Kunst existiere, denn Kunst gebe es nur eine und die sei ewig;
In den berÝhmten Wiener KaffeehÄusern bisher unerhÆrte Mengen von Kaffee und leichter Weine getrunken wurden; Frauengesichter sich in den mit Blumenornamenten umrankten Spiegeln des modisch werdenden Jugendstils widerspiegelten, beleuchtet vom weichen Opallicht der Tiffanylampen, und unbequem aussehende Sessel mit ihren erlesenen Rundungen die Linien der weiblichen HÝften nachzeichneten. MÄnner erschÝttert schauten. Frauen munter redeten und dabei peu Þ peu der deutschen Standardformel der drei K-s (KÝche, Kinder, Kirche) ein viertes hinzufÝgten: Klatschen;
Die "Sezession" zornig gegen alle bisher existierenden Architekturstile protestierte und sich in Stein in ihrem neuen, dem Jugendstil, verkÆrperte, die Wiener aber auf der Stelle die mit Goldlaub verzierte Kuppel ihres GebÄudes scharfzÝngig Kohlkopf nannten;
Der schalkhafte Jugendstil danach strebte, die imperiale Brust der Hauptstadt auf seine Weise zu schmÝcken, gleichsam die Kurzlebigkeit seiner Existenz vorausblickend; die wankelmÝtige SchÆne Wien aber interessiert ihre neuen SchmuckstÝcke betrachtete - BahnhÆfe, Kirchen, PostÄmter, Villen, KaffeehÄuser - und sie gnÄdig akzeptierte.
Und außerdem klang ringsumher Musik. Und ein junger Kavalier eilte furchtlos mit einer silbernen Rose seiner neuen Liebe entgegen und das Wiener Blut kochte und die lustige Witwe zwinkerte mit dem Auge und Strauss schlug den Takt. Und es drehten sich, es drehten sich die Paare beim Ball zur Musik der neuen, gerade erst geschriebenen Walzer...
Regieren tat diesen Wiener Ball die Frau - nein, nicht diese Suffragette, die in blauen StrÝmpfen fÝr die Gleichberechtigung der Frau kÄmpfte, Gott behÝte, sondern die WunderschÆne Dame, der begeisterte Verehrer zu FÝssen lagen...
Eben diese war es, mit der ich am Buch zu arbeiten begann.
Die Arbeit ging so vonstatten. Ich schrieb den russischen Text eines meiner Kapitel und sandte ihn per E - mail zusammen mit dem deutschen an Dia. WÄhrend sie meine Krakeleien in literarisches Deutsch Ýbersetzte, schrieb ich auf russisch das nÄchste Kapitel. Der eilige Auftrag wurde plÆtzlich abgesagt, und nun hatte sie Zeit, so dass wir mit einem Tempo von zwei Kapiteln in der Woche arbeiteten. Das war ein rasendes Tempo, da es viele Fragen gab. Im Buch gab es Verse und ich wollte gerne, dass auch die deutsche ýbersetzung Verse enthielt. Es gab außerdem noch eine Stelle, die auf russisch ziemlich grob, aber sehr komisch klang, eben jene, deretwegen Sascha, seiner Versicherung nach, vor Lachen vom Bett plumpste, als er sie las. Dia fand, dass sie auf deutsch allzu grob klang und schlug vor, sie zu Ändern. Ich konnte selbst nicht beurteilen, in wieweit das richtig war, und so stimmte ich ihr einfach zu.
Außerdem gab es noch Probleme mit den Zitaten. Im Text gibt es viele versteckte Bibelzitate, die auch auf deutsch genaue Zitate sein sollten und nicht nur eine ýbersetzung. Weder die Atheistin Dia noch ich besaßen ein deutsches Bibelexemplar. ýbrigens hatten ihre Eltern - auch Atheisten - eine Bibel und lasen sie, einfach nur aus Interesse. Sie schlugen vor, bei den Zitaten zu helfen.
ýberhaupt - Bibelzitate sind eine spezielle Sache. Ich besaß eine Bibel, eine russische, die ich vor einem Vierteljahrhundert auf dem Schwarzen Markt im kommunistischen Russland fÝr 50 Rubel gekauft hatte - jene Rubel, von denen ein Ingenieur damals ganze 120 im Monat verdiente. Entschieden, dass die Zeit gekommen sei, mir nun eine deutsche Bibel zu kaufen, ging ich in ein GeschÄft. Und wurde mit einem unerwarteten Problem konfrontiert. Es stellte sich heraus, dass es viele Bibeln gibt. Und dass sie alle verschieden sind. Ich wusste nicht, welche ich kaufen sollte und fragte einen neben mir stehenden Mann, der auch ein Bibelexemplar in der Hand hielt. So lernten wir uns kennen.
Andreas fragte mich, wozu ich die Bibel denn brauche und riet mir, nachdem er es erfahren hatte, zu einer gewissen Einheitsausgabe. Er selbst unterrichtete Religion an einem katholischen Gymnasium und darÝber hinaus noch Musik, die er zudem selbst schrieb und als konzertierender Pianist interpretierte. Er wohnte in einer anderen Stadt und wir sahen uns selten. Doch im nÆtigen Moment erwies er sich immer zur Stelle und half umgehend.
Zum Beispiel, als Peter beschloss, sich taufen zu lassen.
Diese Idee war bei ihm eigentlich nicht neu, sie befiel ihn zum ersten Mal im Alter von acht Jahren. Damals lebten wir in einer Kleinstadt in der NÄhe von Linz, eine Kirche gab es dort natÝrlich, und so ging ich zum Pfarrer. Allein, der Pfarrer weigerte sich, Peter zu taufen. Er sagte, das Kind wÝrde die Wichtigkeit der Handlung nicht verstehen, ihn wÝrde nur die rein Äußere Seite der Sache anziehen, die SchÆnheit des Rituals, vielleicht wÝrde er auch einmal nach Russland zurÝckkehren mÝssen, und was solle er als Katholik dort schon anfangen...
Ich kann nicht gerade behaupten, dass dieser Standpunkt mir verstÄndlich war. Neugeborene sind sich wohl auch kaum der Wichtigkeit der Handlung bewusst. Aber fÝr mein VerstÄndnis hegte hier niemand Interesse, ich konnte nichts machen und richtete dem Kind die Worte des Pfarrers lediglich aus. Ich erstarrte bereits in Erwartung, ihn lauthals aufheulen zu hÆren mit dem Refrain "Mit Kindern geht man aber gar nicht so um!", womit er die letzten paar Jahre jeden beliebigen Umstand begleitete, der ihm das GewÝnschte nicht erfÝllte. Doch Peter fing nicht an zu weinen, sondern wurde im Gegenteil still und schien gleichsam in Gedanken zu versinken.
Sieben Jahre dachte er nach.
Woraufhin er mir am Montag in der Karwoche plÆtzlich erklÄrte, er wolle sich am kommenden Sonntag taufen lassen und mich bat, alles zu organisieren. Ich verlor die Fassung. Nachdem ich schnell mein Telefonbuch durchgeblÄttert hatte, entdeckte ich mit Verwunderung, dass es darin nur einen Katholiken gab - Andreas. Gott sei's gedankt, er war zu Hause. Alle Fragen mit der Kirche, dem Pfarrer, den Paten, klÄrten sich mit seiner Hilfe sehr leicht und am nÄchsten Sonntag, der zudem noch mit Peters Geburtstag zusammen fiel, wurde mein Sohn wÄhrend der feierlichen nÄchtlichen Ostermesse endlich getauft.
Zur Taufe schenkte ich ihm eine sehr schÆne Bibel mit Illustrationen von Michelangelo. Dann gab es noch die Schulbibel im Haus, und spÄter kaufte ich einmal noch bei Gelegenheit eine Bibel in englischer Sprache. Nun gab es viele Bibeln im Haus, und ich begann natÝrlich, Textstellen zu vergleichen.
Diese BeschÄftigung erwies sich als sehr anregend, teilweise aber auch als entmutigend. Ich verglich russische, deutsche und englische WÆrter, die in allen Ausgaben an gleicher Stelle standen und sah, dass sie nicht ganz dasselbe bedeuteten. D. h. der allgemeine Gedanke blieb erhalten, die Nuancen aber waren verschieden. Wobei diese Nuancen manchmal ungeahnte Ausmaße annahmen. Mein geliebter Ekklesiast, das "Buch des Propheten", hieß auf deutsch aus irgendeinem Grunde "Kohelet", das "Buch der SprÝche Salomons" aber "Buch der SprichwÆrter", was im Russischen einer "Sammlung von SprichwÆrtern und Redewendungen" entspricht. Was fÝr eine Nuance!
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es mÆglich sei, die Wahrheit ohne die Kenntnis der Originalsprache heraus zu finden, deshalb ersetzte ich in Gedanken das Wort "Zitat" mit dem Wort "Hinweis" und trÆstete mich mit dem Gedanken: wer es braucht, der findet mit dem Hinweis die Stelle im Original und klÄrt, was und wie und wozu es da steht.
Dann aber stellte sich heraus, dass die Hinweise auch nicht immer helfen, da die Texte sich viel stÄrker unterscheiden als ich dachte. Zum Beispiel gab es in der deutschen Ausgabe das Buch "Tobias", von dem ich frÝher niemals gehÆrt hatte und das im russischen Text fehlte. Und der Psalm, dessen Zitat zum Epigraph des ganzen Buches wurde, trug in der russischen Ausgabe die Nummer 138, in der deutschen jedoch die Nummer 139.
Die Worte meines Vaters, die er vor vielen Jahren einmal Ýber die Bibel fallen ließ, klangen jetzt fÝr mich ganz neu: "Schau doch nur, wie viele WidersprÝche es dort gibt und denk mal mit deinem mathematischen KÆpfchen nach: wie kann man denn das alles bloß glauben?" Es gab tatsÄchlich WidersprÝche. Nur dass ich einen anderen Schluss daraus zog, keinen atheistischen. Meiner Meinung nach war es so, dass die Menschen durch diese Texte etwas verwirrt wurden, und es wÄre gut, in dieser Frage Klarheit zu schaffen.
Noch aber war es mit der Klarheit nicht weit her, und die Eltern von Dia halfen bei den Zitaten. Wie schon gesagt, Dia hielt sich selbst fÝr eine Atheistin. Sie war eine interessante Atheistin. Von ihr erfuhr ich zum ersten Mal von einem bemerkenswerten Brauch, der mit dem Feiern von Weihnachten einherging. Er wurde in Linz erfunden, im Fernsehstudio der ORF, im Jahr von Peters Geburt. Im Laufe der letzten Jahre hatte er sich bereits in fÝnfundzwanzig europÄischen LÄndern ausbreiten kÆnnen, und letztes Jahr erreichte er sogar Amerika.
Dieser Brauch heißt "Friedenslicht aus Bethlehem" und sieht folgendermaßen aus: Kurz vor Weihnachten macht sich ein Kind aus Linz oder seiner Umgebung nach Bethlehem auf, entzÝndet dort eine Kerze am Licht, das am Ort von Christi Geburt brennt, und kehrt mit ihr im Flugzeug nach æsterreich zurÝck. Es musste sogar eine spezielle Laterne gebastelt werden, damit die Kerze im Flugzeug nicht ausging und die Laterne nicht etwa explodierte.
SpÄter verteilen gute Menschen das Licht, das an der Kerze aus Bethlehem angezÝndet wurde, Ýber die Æsterreichischen StÄdte und LÄnder, und am Abend vor Weihnachten kann sich jeder, der mÆchte, an ihm seine Kerze anzÝnden, in allen Filialen des ORF, auf allen Stationen des Roten Kreuzes, in vielen Kirchen und auf jedem beliebigen Bahnhof des Landes. Von diesen BahnhÆfen aber tragen es wiederum andere gute Seelen in die allerkleinsten StÄdtchen und in Flecken, in die man auch mit keinem Zug mehr fahren kann. Freiwillig, versteht sich.
Dia ritt regelmÄßig - neben vielerlei Hobbies, unter denen der Reitsport den Ehrenplatz einnahm - im Wiener Dragonerregiment. Dieses Regiment war unter anderem in den letzten zehn, zwÆlf Jahren auch damit beschÄftigt, das Friedenslicht von einem der BahnhÆfe in der NÄhe Wiens in die Kirchen und Kapellen der Umgebung heraus zu tragen. Die farbenprÄchtige Kavalkade, gekleidet in Uniformen des Zweiten Wiener Dragonerregiments, wurde von einer Kutsche begleitet, worin in einer alten Laterne aus Kirchenfensterglas das Feuer aus Bethlehem brannte...
Nun aber trug die wunderbare Amazone Dia das Licht der deutschen Dichtung in meinen literarischen Erstling.
Anfang Januar war der Text fertig und zu verschiedenen Verlagen gesandt. Allein, niemand hatte Eile ihn zu drucken, man redete sich mal mit diesem, mal mit jenem heraus, so dass Thors Worte Ýber die große Zukunft meines literarischen Werkes mit Vorbehalt verstanden werden mussten. Zum Beispiel hatte er nichts Ýber den Zeitraum gesagt.
Mitte Januar aber fand ich unerwartet eine Arbeit: ein Psychiater bestellte bei mir eine Datenbank fÝr seine Praxis. Das versprochene Honorar wÝrde fÝr fÝnf, sechs Monate bei bescheidener Lebensweise reichen, die Arbeit am Programm nicht mehr als zwei Monate in Anspruch nehmen, so dass noch ein kleiner Puffer fÝr die Suche nach weiteren EinkÝnften bleiben wÝrde. Unwahrscheinlich davon beflÝgelt, konnte ich meinen Mann gar dazu Ýberreden, endlich die Scheidung einzureichen - die letzte Zeit hatte er seinen Unwillen zur Scheidung damit argumentiert, dass ich keine eigenen EinkÝnfte hÄtte. Und auch mit der Sorge um das Kind.
Meine eigenen EinkÝnfte, das stundenweise Programmieren, erhielt ich persÆnlich Ýber ihn von einer Firma, in der er selbst arbeitete. Um seine Position zu bekrÄftigen (ich sei unfÄhig eigenes Geld zu verdienen) hÆrte er auf, fÝr mich neue AuftrÄge anzunehmen. Was den Punkt mit dem Kind betraf, so war hier alles glasklar: Ich kann ja nicht mal mich selbst ernÄhren, wie sollte ich das wohl alleine mit dem Kind schaffen?
Das erinnerte mich an eine Geschichte aus jungen Tagen. Seinerzeit hielt ich mich oft in Riga auf; dort lebte der Arzt, der mich von der Kandidose heilte, und dort hatten wir viele Freunde. NatÝrlich Mathematiker (sogar ein SchÝler von Mani, Aiwar - auch in Riga haben sie mich bemuttert), außerdem noch Chemiker, Philosophen und Psychologen - das Ýbliche Publikum einer UniversitÄt. Der eine trank zu seinem VergnÝgen, der andere holte sich Spaß beim Hanfrauchen, alle interessierten sich fÝr Parapsychologie, fÝr die Blavatskaja und transzendentale Meditation und sprachen viel Ýber Erhabenes. Erhabenes gab es allerdings weniger als in Moskau. Schließlich war die Sowjetmacht beinahe dreißig Jahre spÄter hierher gekommen als nach Russland, und bei manchen konnten sich die Eltern gar noch an die Existenz solcher Weltenwunder wie ein eigenes Haus oder eine private Bierbrauerei erinnern. Das aber leistet bekanntlich der Verhaftung im Irdischen Vorschub. Wir lasen die gleichen BÝcher, doch wir vergnÝgten uns auf verschiedene Art.
Als ich wieder einmal nach Riga zu meinem Arzt fuhr, wohnte ich, wie immer, bei Ilona, die mich schnurstracks mit einem Schwall von Informationen zur allerneuesten Geschichte aus dem lokalen Leben ÝberschÝttete. Wie die meisten von ihnen begann sie in Ilonas Wohnung - die Wohnung war ziemlich groß und lag mitten im Zentrum der Stadt, in der Suworow Strasse. Den Hauseingang zierten ewig KÄsten mit leeren Weinflaschen, die auf die enge Nachbarschaft eines SpirituosengeschÄftes hindeuteten, was auch ganz bequem war, obwohl in dieser Wohnung grÆßtenteils GetrÄnke konsumiert wurden, die von Liebhabern im chemischen Labor der UniversitÄt hergestellt wurden. Mit diesen GetrÄnken fing ja auch eigentlich alles an. ZunÄchst kam Gregor an, mit einem Dreiliter-Einmachglas reinen Alkohols, um seine GefÝhle ein bißchen abzuladen: Er hatte Probleme mit seiner Freundin, die verlangte, er solle sich von seiner Frau scheiden lassen und sie heiraten. Er ließ sich aber die ganze Zeit nicht scheiden, da er fÝrchtete, das Kind, den einzigen Sohn, zu traumatisieren. Wohnen tat er Ýbrigens bei seiner Freundin, und der Sohn war bereits neunzehn, aber das Änderte nichts an der Sache.
Ilona fand, dass drei Liter Alkohol fÝr zwei Personen ein bisschen viel sei und rief eine Freundin an, damit sie ihnen Gesellschaft leiste. Die kam auch, brachte aber aus irgendeinem Grunde ihren sechsjÄhrigen Sohn mit. Ilonas siebenjÄhrige Tochter schlief schon, wurde aber geweckt. So dass nun die Erwachsenen ihre Leiden um die Kinder mit Alkohol herunterspÝlten, die Kinder jedoch spielten.
Dann rief unerwartet Ilonas Ex an und heulte sich Ýber Probleme mit seiner neuen Frau und deren Kind aus. Ilona trÆstete ihn eine Weile, dann musste die TrÆstung allerdings unterbrochen werden, da eine Bande von Philosophen und Psychologen mit dem obligatorischen Dreiliter-Einmachglas Ilonas Wohnung Ýberfielen. Sie motivierten ihr plÆtzliches Erscheinen ohne vorherigen Anruf damit, dass sie ja schließlich telefoniert hÄtten, die Leitung aber die ganze Zeit besetzt gewesen sei. Deshalb beschlossen sie persÆnlich zu klÄren, ob nicht etwa etwas passiert sei.
Mit ihnen selbst war etwas passiert. Genauer, mit Karluschka, einem Doktoranden der philosophischen FakultÄt, der auch dabei war. Seine Freundin war fÝr ihn vÆllig Ýberraschend schwanger geworden, er selbst war aber verheiratet und hatte zudem zwei kleine Kinder. Was weiter zu tun sei, wusste er nicht, auch Konfuzius und Blavatskaja kamen mit dem Problem nicht zurecht, Castaneda sah Ýberhaupt keine Probleme. Blieb nur noch Ilona. Zu ihr machte er sich also auf, bewaffnet mit einem Einmachglas voll Alkohol und umringt von einer kleinen Gruppe mitfÝhlender Freunde.
Nun entwickelte sich die frÆhliche Zusammenkunft - pardon, die tiefschÝrfende und umfassende ErÆrterung von Familien- Ehe- und Erziehungsproblemen unter Bedingungen, die den natÝrlichen angenÄhert waren - aus LeibeskrÄften, und gegen drei Uhr nachts wurde klar, dass die heftigen seelischen Aufwallungen und ErschÝtterungen nicht vom engen Raum einer stÄdtischen Wohnung begrenzt sein dÝrften, dass sie, die Seele, weiten Raum verlangte... Auch war der Alkohol alle. Sie beschlossen also ans Meer zu fahren, wo Karluschka eine Datscha mit einem Erdkeller voll Wein besaß, der von einer halbblinden neunzigjÄhrigen Großmutter bewacht wurde. Die Datscha lag direkt an der KÝste der Rigaer Bucht. Nach einer Reihe von Abenteuern kam die Bande auf der Datscha an, lÄrmte dort noch eine Weile herum und schlief schließlich glÝcklich ein. Gegen Abend fingen die Leutchen an allmÄhlich aufzuwachen und zu sich zu kommen.
Und da stellte sich auf einmal heraus, dass die Kinder weg waren.
Eine vielseitige stÝrmische AktivitÄt - die Inspizierung der Zimmer, von Keller und Dachboden; lauttÆnende Schreie im Garten: "Micki! Micki! Vera! Vera!", die Befragung von Großmutter und Nachbarn - brachte keinerlei Erfolg. Die Kinder waren nicht da. Die MÝtter fingen an zu heulen. Man musste die Polizei verstÄndigen. Die Polizisten kamen und fingen an blÆde Fragen zu stellen wie: "Wer hat zuletzt die Kinder gesehen und wann?" Wann, wann... Im Vorortzug waren sie sicher noch da gewesen. Nun, jedenfalls ein Kind, es hatte doch einen der Erwachsenen gebeten, ihm die ToilettentÝr aufzumachen. Ob das nun der Junge oder das MÄdchen gewesen war, daran konnte sich dieser Erwachsene nicht mehr erinnern. Wohl der Junge.
Na gut, und was ist mit der Großmutter? Sie hat doch wohl die Kinder gesehen? NatÝrlich, das hat sie. Sie haben da Krach gemacht, sind rumgerannt, alles hat vor den Augen geflimmert: hin und her - her und hin, hin und her - her und hin. Viele Kinder. Wie - viele? Wieviele? FÝnf oder sechs, mindestens...
Die Polizisten kamen allein nicht klar, man musste den Grenzschutz rufen. Die Kinder wurden nach einigen Stunden gefunden, etwa drei Kilometer von der Datscha entfernt, direkt an der KÝste in den DÝnen, wo sie sich eine HÝtte gebaut hatten und beschlossen, dort zu wohnen und die Bahnen der Sterne zu beobachten. Sie waren so weit weggelaufen, weil es auf der Datscha so laut war. Sterne aber lieben doch die Stille.
Die Kinder wurden mustergÝltig bestraft, die ganze Bande kehrte glÝcklich nach Riga zurÝck und nun erzÄhlte mir Ilona die ganze Geschichte mit allen Details und Einzelheiten. Die Details waren komisch, die Einzelheiten pikant und die Geschichte machte mir in Ilonas Interpretation eine Menge Spaß. Nachdem sie geendet hatte, sagte ich zu Ilona: "Ich verstehe nur eines nicht. Wenn ihr euch amÝsieren wollt - dann amÝsiert euch. Aber warum musstet ihr denn die Kinder mitschleppen?"
"Wieso verstehst du das denn nicht? Alles haben wir doch den Kinder zuliebe gemacht. Damit die Kinder an der KÝste saubere Luft in die Lungen bekommen," erklÄrte Ilona.
Aha, nun war alles klar. Den Kindern zuliebe.
Es gab natÝrlich auch noch andere Extreme. Li, die mir am ersten Tag nach meiner Entlassung aus der Geburtsklinik so geholfen hatte, war mit Izka verheiratet, und sie hatten vier Kinder. Izka verließ sie, als die beiden jÝngsten Kinder, Zwillinge, anderthalb Monate alt waren. Wie tobte ich, wie brÝllte ich Izka an, wie versuchte ich an seine besten GefÝhlte zu appellieren! Er aber antwortete bloß, Gott wÝrde seine Kinder nicht im Stich lassen. Er ließ sie auch nicht im Stich. Li heiratete einen Franzosen, der die Kinder adoptierte, und die ganze ehrliche Kompanie verließ das kommunistische Paradies und brach auf, um in Frankreich zu leben.
Doch kehren wir aus Riga und Moskau, die sich beinahe schon im Nebel meiner Erinnerung verflÝchtigt haben, zurÝck ins heutige Linz.
Nun sah es ganz danach aus, als ob ich Geld verdienen und auch unser Kind irgendwie versorgen kÆnnte, und der Antrag auf Ehescheidung wurde endlich eingereicht. Wobei wir Freunde blieben und abmachten, uns nicht zu streiten.
Und da tauchte gerade zur rechten Zeit noch ein weiterer uns bekannter Arzt auf, ein Chirurg, der ebenfalls genauso ein Programm brauchte, deshalb wurde beschlossen, das Programm der Schnelligkeit halber zusammen zu schreiben, unsere Ärztlichen Kunden aber zu teilen.
Mir fiel der Psychiater zu.
Kapitel 2 Psychiatrisches Intermezzo
Manchmal scheint es mir, daß der Weg einen Menschen um so sicherer zur Psychiatrie fÝhrt, je mehr Probleme er hat. Auf jeden Fall sah die Sache bei Dr. Napoleon genau so aus. Ungerechtigkeiten des Schicksals, menschliche Undankbarkeit und die verschiedensten Krankheiten verfolgten ihn sein Leben lang.
Was wog allein zum Beispiel diese in schillernden Farben erzÄhlte tragische Geschichte auf, wie unter seiner einfÝhlsamen Leitung eine gemÝtliche kleine Striptease-Bar mitten im Stadtzentrum, in der Klammstrasse, die seine Frau geerbt hatte, bankrott ging und vÆllig herunterkam, und wie er persÆnlich ein neues, modernes, großzÝgig gebautes Bordell projektierte, das am Donauufer lag und bis zu dreihundert Besucher pro Tag aufnehmen konnte, wie er selbst die EntwÝrfe zeichnete (EntwÝrfe wovon, mÆchte man gerne wissen?!), und wie die Sache einzig und allein wegen einer dummen Kleinigkeit ins Stocken geriet: wegen einiger Millionen Schillinge, die fehlten, die aber fÝr die Realisation des Projektes vonnÆten waren, und wie sein Schwiegervater aus irgendeinem Grund sich weigerte, eine BankbÝrgschaft zu unterzeichnen, ohne die wiederum die Bank keinen Kredit geben wollte. Und ihn auch nicht gab. Das war ein Beispiel fÝr die Ungerechtigkeit des Schicksals.
Oder die Geschichte, wie er fÝr eine seiner jungen Patientinnen entbrannte - etwa dreißig Jahre jÝnger als der Herr Doktor - und er ihr sogar ein BÝchlein schenkte, die Sache sich aber nicht weiterentwickelte und er einen Korb erhielt mit seiner LiebenswÝrdigkeit. Dabei hatte er sein Interesse in einer solchen Form gezeigt, daß die Patientin sich einen anderen Arzt suchen mußte, dem er hÆchstpersÆnlich noch ein paar Jahre Geld zahlte, damit die Geschichte nicht ans Licht kam. Dies war ein Beispiel fÝr menschliche Undankbarkeit.
Krankheiten, unter denen Diabetes und Alkoholismus nicht an allerletzter Stelle standen, machten das Leben auch nicht leichter. Mit einem reichen Schatz eigener Erfahrung ausgerÝstet, erworben durch die enge Bekanntschaft mit einem breiten Spektrum von menschlichen Problemen, hatte er an die TÝr seiner Praxis nicht nur "Psychiater" oder "Psychotherapeut" geschrieben, sondern auch "Ratgeber in lebenswichtigen Fragen".
Mit seinen persÆnlichen Problemen war ich anfangs nicht vertraut, und Doktor Napoleon schien mir ein lieber und umsichtiger Mensch zu sein. Teilnehmend fragte er mich Ýber mein Leben aus, erklÄrte, daß ich in meiner schwierigen familiÄren Situation fraglos die Hilfe eines Psychotherapeuten brauche und daß ich in Linz keinen besseren finden kÆnne als ihn. Auf diese Art und Weise begann ich fÝr ihn ein Computerprogramm zu schreiben und ging gleichzeitig zu ihm in psychotherapeutische Behandlung.
Es waren seltsame Behandlungen.
Ein Teil ging dafÝr drauf, das kÝnftige Programm zu besprechen - andere Zeit fand er dafÝr nicht. Die Ýbrige Zeit aber erzÄhlte er mir von den Problemen mit seiner geschiedenen Frau, den Kindern, der Bank, den Steuern und anderem. Offensichtlich bestand seine therapeutische Methode gerade darin, dem Patienten zu zeigen, daß seine, des Patienten Probleme, im Vergleich mit dem, was der Herr Doktor persÆnlich durchzustehen hatte, Peanuts waren.
Seine Leiden bezÝglich der geschiedenen Frau und der Kinder waren die Ýblichen Standards, genauso wie meine RatschlÄge.
Seine Vorstellungen von Steuern, Krediten und Geld entsprachen denen eines FÝnftklÄsslers in der Volksschule und hatten keinerlei Bezug zur Wirklichkeit. Meine sechsjÄhrige Erfahrung als selbstÄndige Programmistin und ein guter Steuerberater, Ýber den ich verfÝgte, hatten mich viel gelehrt, so wurde also beschlossen, daß ich seine Finanzen in Ordnung bringen sollte. FÝr 10 % des Gewinns aus dieser TÄtigkeit. Unter der Bedingung, daß es einen Gewinn geben wÝrde.
Als es zur ErÆrterung eines weiteren seiner tÄglichen Probleme kam - Impotenz, die mit der Diabetes zu tun haben mochte oder mit der Trunksucht oder mit der Kombination von beiden, bemerkte ich endlich was hier Seltsames vor sich ging. Der Herr Doktor scherzte irgendwie, daß in Wahrheit ich sein Psychotherapeut sei und nicht er meiner. Das war ein guter Scherz, besonders wenn man in Betracht zog, daß immerhin ich es war, die dafÝr zahlte. Nachdem ich mir dieses denkwÝrdige Faktum bewußt gemacht hatte, beendete ich die Behandlung.
Nun schrieb ich das Programm und schaute hin und wieder spÆttisch auf das Plakat, welches das Wartezimmer zierte, mit dem stolzen Schriftzug: "Haben Sie PotenzstÆrungen? Ich nicht!" und die Patienten aufforderte, sich Hilfe suchend an den Herrn Doktor zu wenden. Außerdem analysierte ich die Jahresbilanzen der ganzen acht Jahre, wÄhrend der seine Praxis existierte. Was ich da sah, versetzte mich in Schrecken. Und gar nicht so sehr deshalb, weil mir der Herr Ratgeber in lebenswichtigen Fragen so leid tat, sondern weil Ýberhaupt nicht klar wurde, von welchem Geld er sich anschickte mein Programm zu bezahlen. Es war kein Geld da. Es waren Schulden da, viele Millionen Schulden. Die Ýberdies auch noch wuchsen.
AngehÄuft hatten sie sich vor acht Jahren, als er einen Kredit zur Einrichtung einer Arztpraxis aufgenommen hatte. In jenem Fall forderte die Bank keine persÆnliche BÝrgschaft, da der Arzt dazu verpflichtet ist, eine spezielle Versicherung abzuschließen, und im Falle eines Falles rechnet die Versicherungsgesellschaft mit der Bank ab. Nach drei Jahren wurde die Bank dennoch unruhig, da nicht nur kein Kredit zurÝckgezahlt wurde, sondern auch keine Zinsen zum Kredit. Herr Napoleon war gezwungen seine Eigentumswohnung zu verkaufen und mit dem ErlÆs den Kredit abzudecken. Das Bild wurde noch weiter vertieft durch einen vÆllig untauglichen Steuerberater, der sogar vergaß elementare, vom Gesetz sanktionierte Sachen abzuschreiben, fÝr seine Dienstleistung jedoch ein dreimal so hohes Honorar nahm, wie angemessen.
Im April war das Programm fertig und mit seinen Finanzen war auch alles klar. In den letzten Jahren hatte das Finanzamt etwa 52.000 Euro mehr erhalten als hÄtten abgefÝhrt werden mÝssen. Den Steuerberater gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen war wohl kaum mÆglich, denn Dummheit ist kein Verbrechen. Dummheit ist Schicksal. So konnten also nur 10.000 Euro an seinem Honorar gespart werden, auf das er verzichtete, nachdem er das Resultat meiner Analysen erfahren hatte. Jetzt nahm sich mein Steuerberater der Finanzen Doktor Napoleons an, und ich erwartete mit einem GefÝhl von Vorfreude mein erarbeitetes Geld: 1.000 Euro fÝr meine FinanztÄtigkeit und 4.500 fÝr das Programm.
Diese Freude erwies sich als das einzige, was ich fÝr diese Arbeit erhielt. Ja, und noch den Ehrentitel eines persÆnlichen Schutzengels des Herrn Psychiater.
Als er mir diesen Ehrentitel gab, brummelte Doktor Napoleon etwas von eiliger Reparatur seines Autos, einer rostigen Schrottkarre in hohem Alter, von der Notwendigkeit, an einem Fenster seiner Wohnung irgendeine spezielle æffnung anbringen zu lassen, damit sein Kater nach draußen konnte und unbehindert wieder nach Hause kommen, von der Reparatur irgendwelcher Schuhe... Anfangs verstand ich nicht recht, worum es ging. Als ich es aber verstand, wurde mir angst und bange. Er hatte nicht vor mich zu bezahlen, genauer, er sagte, er habe vor mir zu zahlen, aber nicht jetzt, sonder irgendwann im Herbst. Oder, sagen wir, im Winter. Mehr zu Weihnachten hin. Und Computer kÆnne er vorerst auch nicht kaufen - mit ihnen hÄtte ich immerhin das Programm einrichten und es anderen ärzten zeigen kÆnnen; vielleicht wÝrden sie ja Geld dafÝr Ýbrig haben. Und ich hatte auch keinerlei schriftlichen Vertrag mit dem Herrn Doktor - seinerzeit verkÝndete er, daß ehrliche und intelligente Leute ihr Geld doch nicht fÝr das Aufsetzen eines Papiers rausschmeißen sollten. Genau.
Sagen wir es mal ehrlich und so intelligent wie mÆglich: in einem solchen Loch hatte ich lange nicht gesessen. Es blieb nur noch das Beten. Was ich auch tat. Meine Gebete wurden unverzÝglich erhÆrt - die undeutlichen ErgÝsse Doktor Napoleons schlossen mit der Beschreibung eines weiteren Problems, das Ýber ihn hereingebrochen war. Eine der Arzthelferinnen, die bei ihm arbeiteten, ging in Rente und er mußte schnellstens einen Ersatz fÝr sie finden, und ob ich nicht helfen kÆnnte. Das war meine Chance! Schnell stimmte ich zu, fÝr einige Monate bei ihm als Arzthelferin zu arbeiten unter der Bedingung, daß diese Stellung ins Nirwana eingeht, sobald ich die Computer und Programme eingerichtet hÄtte. Der Herr Ratgeber fÝr lebenswichtige Fragen belebte sich unwahrscheinlich, erklÄrte mich wiederholt fÝr seinen Schutzengel und lud mich mit Freuden ins Restaurant zum Abendessen ein. Nach dem Essen stellte sich allerdings heraus, daß er sein Portemonnaie vergessen hatte, so daß ich die Rechnung zahlen mußte. Hat er mir eigentlich spÄter das Geld zurÝckgegeben? Das habe ich bereits vergessen.
Am ersten Mai begann ich halbtags als Arzthelferin zu arbeiten. DarÝber hinaus fand ich noch eine Arbeit als Putzfrau, zweimal in der Woche bei einem lieben Älteren Ehepaar. Uff. Jetzt war meine und Peters Zukunft vollstÄndig gesichert, und unser Weg war mit Rosen bestreut, und die Zeit war gekommen, eine Wohnung zu suchen. Ich kaufte den "Korrekt", schrieb drei der Beschreibung nach passende Wohnungen heraus und fuhr los zur Besichtigung. Die erste auf dem Zettel befand sich am Tummelplatz.
Ich fuhr etwas frÝher hin und ging etwa eine Stunde in der Umgebung des Hauses spazieren. Das Haus befand sich im Zentrum von Linz, im Ältesten Teil, neben dem RÆmerberg, auf dem sich ein altes Schloß erhob, das heute in ein Museum umgewandelt wurde. Zum Schloß zog sich eine mit wildem Wein bewachsene Mauer empor, der blÝhende Flieder am Fuß einer Treppe, die zum Park auf dem Berg fÝhrte, duftete betÄubend, im Park gab es einen Teich mit Fischen, einige Statuen - eine war sehr komisch, mit schiefem Hals -, und jede Menge Blumen. Ein Paradies. Direkt im Stadtzentrum. Bis zum Hauptplatz waren es drei Minuten zu Fuß, zur Praxis Napoleon zehn, zum Älteren Ehepaar, das mir ein zusÄtzliches Honorar verschaffte, sieben. Zum Theater zwei Minuten! Hinzu kam, daß ein Hauptmanko des Lebens in einer Altstadt, der LÄrm, auch wegfiel, da das Haus in einer Sackgasse lag, in der es keine einzige Bar oder Restaurant gab.
Zur verabredeten Zeit klingelte ich. Eine junge Frau lud mich in die Wohnung ein. Ich trat ein und fÝhlte mich zu Hause. Zum ersten Mal im Leben. Alles paßte mit ideal: die WÄnde mit einer Dicke von fast einem Meter, die keinen einzigen rechten Winkel hatten, dafÝr aber hier und da viele seltsame VorsprÝnge. Die Decken verschiedener HÆhe in verschiedenen Zimmern. Eine moderne, vollstÄndig ausgerÝstete KÝche, die auf Bestellung von einem Designer angefertigt worden war. Drei Zimmer. Ein großes Bad. Eine Kammer. Ein wunderbarer Keller. Ein eigener Raum fÝr die WÄsche und zum Trocknen. Es gab etwa fÝnf Bewohner im Haus, die Ýbrigen GebÄude waren in Angelegenheiten des Magistrats belegt - ein Gedenkzimmer fÝr Friedrich II. und ein Bruckner-Institut und noch etwas. Die Hausstruktur war auch sehr interessant: kleine InnenhÆfe, Heilige in Nischen, AusgÄnge, aus denen man auf verschiedene Straßen gelangen konnte. Es war sogar ein FahrradstÄnder innerhalb des Hauses da. Basta. In dieser Wohnung werde ich ewig wohnen. Und wenn ich sterbe, dann wird man darin ein Museum, die Gedenkwohnung von Lena Rebe erÆffnen. Und niemand anderer wird hier jemals mehr wohnen. Es ist meine Wohnung.
Danke dir Herr, du verlÄssest mich nicht in deinem Sorgen!
Er verließ mich auch weiter nicht. Ein Journal verÆffentlichte eine interessante Aktion: man bestellt ein Jahresabonnement und erhÄlt als Zugabe kostenlos einen Computer. D. h. man muß ihn schon bezahlen, aber in Raten, drei Jahre lang, und eine solch kleine Summe, daß selbst der Ärmste Psychiater sich das leisten kann. Journale braucht man im Wartezimmer eines Arztes ja immer, um die Langeweile zu vertreiben. Obwohl es in diesem Fall richtiger gewesen wÄre, die Langeweile her zu treiben - die psychisch kranken Patienten wurden manchmal vom langen Warten ganz rasend.
So oder so - die Computer bestellte ich, und nach einiger VerzÆgerung kamen sie auch tatsÄchlich, und das Netz aus drei Computern begann zu arbeiten, und mein Programm darin auch. Das geschah im August, gerade an meinem Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sogar schon einen Teil des Geldes fÝr das Programm erhalten - zweimal etwas mehr als siebenhundert Euro, und nun hoffte ich in ganz kurzer Zeit die Ýbrigen dreitausend zu bekommen. Meine Zukunft schillerte in allen Farben des Regenbogens und strahlte brillanten Glanz aus. Das Programm funktionierte wie eine Schweizer Uhr.
Genauer, es funktionierte wie eine Schweizer Uhr, wenn ich am Computer saß. Die beiden Ýbrigen Arzthelferinnen und der Herr Doktor selbst hatten Ýberhaupt keine Ahnung vom Computer, und so war es nÆtig sie anzulernen. Wobei Doktor Napoleon seine Praxis nicht fÝr ein paar Tage schließen wollte, um das Personal einzuarbeiten, das wÄre zu teuer, und so fand die Einarbeitung zu ungeregelten Zeiten statt. Manchmal frÝhmorgens, ein- bis anderthalb Stunden vor dem Erscheinen der ersten Patienten, manchmal in der Mittagspause und zeitweise gar in Anwesenheit der Kranken. Nach etwa drei Wochen hatten die beiden Arzthelferinnen sich die Arbeit am Computer durchaus angeeignet. Sie wußten, wie man ihn einschaltet, und wo man die Diskette einlegt und was "MS Word" ist und wie man die Patientenkarte im Programm findet und wie man ein Rezept ausdruckt.
Mit dem Herrn Doktor sah die Sache komplizierter aus. Ihn mußte ich unmittelbar wÄhrend der Sprechstunden anlernen, andere Zeit hatte er nicht. Die FÄhigkeit, sich das Neue zu merken, hatte er auch nicht. Ich begrenzte seine Lerninhalte auf das allernÆtigste: Notizen in die Patientenkarten einzutragen und Rezepte auszudrucken, alles andere wurde automatisch erledigt oder mit Hilfe der Arzthelferinnen. Es hatte aber wenig Sinn, er konnte sich nichts merken. Altersbedingter Marasmus? Alzheimer? Wenn man in Betracht zog, daß er in großen Mengen die gleichen Medikamente wie seine Patienten einnahm, konnte es alles mÆgliche sein.
Eines Tages erklÄrte ich ihm etwa dreimal, mit welcher Taste man eine Leerstelle zwischen den WÆrtern einfÝgt. Da gab es zwei Probleme: Erstens mußte man sich die Taste merken. Zweitens mußte man mit dem Finger die Taste treffen. Es war nÄmlich so, daß seine Finger stÄndig zitterten, und die Ursache fÝr dieses merkwÝrdige PhÄnomen war ein beliebtes Thema, das von den genervten Patienten beim Warten auf den Empfang diskutiert wurde. Die MÄnner waren fest davon Ýberzeugt, daß es vom AusnÝchtern herrÝhrte, die Frauen jedoch, diese guten Seelen, nahmen an, es kÄme vom Kettenrauchen. Er qualmte ununterbrochen und vergaß dabei in allen Aschenbechern noch glimmende Zigaretten. Die RÄume auszulÝften wurde nicht gestattet, er hatte immerzu Angst, daß sein Kater weglaufen kÆnnte. Deshalb hieß es alle TÝren und Fenster streng geschlossen zu halten. Mit den TÝren war das besonders schwierig. Selbst den psychisch kranken Patienten konnte man erklÄren, wieso und wozu das nÆtig war, aber nicht diesem vor Trauer irre gewordenen Hundevieh, das durch die ArztrÄume sprang. Napoleon bekrÄftigte, daß die Anwesenheit von Tieren den Patienten psychisches Wohlbefinden verschaffe. Das psychische Wohlbefinden seiner Mitarbeiter interessierte ihn nicht.
Anfang September kam ich einmal frÝher zur Arbeit und begab mich daran, Spritzen fÝr Injektionen vorzubereiten. Das ist eine delikate Angelegenheit, man darf die Medikamente nicht verwechseln und muß die richtigen Nadeln auswÄhlen. Zum Beispiel fÝr intravenÆse Injektionen dicke und lange Nadeln in hellblauer Verpackung, fÝr subcutane Injektionen dÝnne Nadeln in roter Verpackung. Bestimmte Medikamente zieht man unmittelbar in die Spritzen auf, anderen wird vorsorglich physiologische KochsalzlÆsung beigefÝgt. Ich zog gerade eine Spritze mit einer der Arzneien auf, als aus dem Nebenzimmer ein wildes AufbrÝllen ertÆnte. Der Herr Doktor verlangte auf der Stelle nach mir. Vor Schreck zerbrach ich die Nadel, die Spritze fiel zu Boden und ich rannte los, dem Ruf meines Arbeitgebers folgend, vergaß dabei aber die TÝr, die beide RÄume trennte, zu schließen. Dieses Mal ließ sich das Rezept nicht ausdrucken. In etwa dreißig Sekunden klÄrte ich, daß er vergessen hatte den Drucker einzuschalten.
Ich schaltete den Drucker ein, druckte das Rezept aus - und wollte gerade zu meinen Spritzen zurÝckkehren, doch der Kater verhinderte das. Dieses schwarze Biest blitzte wie ein Pfeil in der æffnung des TÝrrahmens auf, schoß mit dem Rezept der Patientin in den Empfangsraum und von dort ins Treppenhaus, wo eine weitere Kranke nervÆs rauchte, ganz in TrÄnen aufgelÆst, mit Ýber das Gesicht verschmierter Schminke.
"Fangt den Kater ein!!" brÝllte Doktor Napoleon lauthals wie ein Marktweib. Ich wartete nicht ab, bis bei ihm Schaum auf den Lippen erschien - diese interessante Naturerscheinung hatte ich bereits zweimal in den letzten drei Monaten beobachtet - sondern dachte nicht eine Sekunde nach und stÝrzte die Treppe hinab.
Hinter mir her stÝrzte ein junger Mann, der bisher mit anderen im Wartezimmer gesessen hatte. Er kam regelmÄßig in die Sprechstunde, alle zwei Wochen, um seine Medikamente zu holen. Er war vorzeitiger Rentner aufgrund seines Gesundheitszustandes - Schizophrenie mit irgendwelchen Komplikationen - und verbrachte mehrere Monate im Jahr in einer psychiatrischen Klinik. Er sah aus wie ein Hippie aus den 60-ern, der sich gut am fremden Herd durchgefÝttert hatte: dichte, lange, verwahrloste Haare, die in sanften Wellen bis zur RÝckenmitte Ýber seine Schultern fielen; riesige schwarze, sehr ausdrucksvolle Augen; die HÄnde von edler Form mit dÝnnen langen Fingern. Er war etwa 1.90 m groß und wog dem Aussehen nach etwa 120 kg. Er trug ausschließlich Jeans und war Ýber und Ýber mit dicken Perlen, Kettchen und ArmbÄndern behÄngt. Als er nach einem seiner regelmÄßigen Klinikaufenthalte in der Sprechstunde erschien und mich dort entdeckte, verstand er sofort, daß wir fÝreinander geschaffen waren. HÆflich bog ich seine verschiedenartigsten VorschlÄge in Bezug auf unser beider mÆgliche gemeinsame TÄtigkeit ab und bemÝhte mich, ihm an seinen Besuchstagen nicht weiter unter die Augen zu kommen.
Ich war drei AbsÄtze die Treppe hinunter gerannt, als ich mich an der TÝr wiederfand, die in den Keller fÝhrte. Und neben mir mein freiwilliger Helfer. Da kam ich zu mir. Mit ihm in den elend langen, unbeleuchteten Keller zu gehen, der sich unter dem gesamten GebÄude hinzog und mit verschiedenartigstem GerÝmpel von altem Baumaterial zugestopft war, um dort den schwarzen Kater zu suchen, wollte ich nicht. Und wenn diesem Schizophreniker plÆtzlich tolle Gedanken kÄmen? Allein wÝrde ich mit ihm nicht fertig. So zog ich also die idiotischste Grimasse, zu der ich im Moment fÄhig war, und murmelte etwas davon, daß ich mich vor der Dunkelheit fÝrchte. Mein Helfer warf sich mutig in die Brust und stieg in den Keller. Leise schlich ich zwei TreppenabsÄtze hinauf und hielt inne. Mich ohne Kater vor Napoleon zu zeigen, dazu konnte ich mich nicht entschließen. Ein paar Minuten spÄter kam mein Hippie, sehr zufrieden mit sich, aus dem Keller und hielt ein fauchendes und sich krÝmmendes Katervieh am Schlaffittchen. Zu dritt kehrten wir in die Praxis zurÝck, wo der Kater in einen speziell fÝr ihn bestimmten KÄfig gesperrt wurde. Zur Schaffung von WohlgefÝhl fÝr die Patienten.
Ich aber wischte die vergossene Arznei vom Fußboden auf, fegte die Scherben der zerbrochenen Ampulle zusammen, und meine HÄnde zitterten. Dieses Stehen auf der Treppe hatte mich erschÝttert - nach unten konnte ich nicht, nach oben konnte ich nicht. Ein Irrenhaus, wohin man auch blickte. Mir wurde plÆtzlich klar, daß mich keinerlei Hoffnung auf das Geld fÝr das Programm hier mehr halten kÆnnte. Das Leben war mir teurer.
Am nÄchsten Tag verkÝndete ich meinem Arbeitgeber, daß ich meine Mission in seiner Praxis fÝr beendet ansÄhe und vorhÄtte, diese nicht spÄter als in einem Monat zu verlassen.
Da aber bekam ich zu spÝren, wo der Hase im Pfeffer liegt.
Es stellte sich heraus, daß dieser von mir so leichtfertig angenommene Ehrentitel eines Schutzengels eine Vielzahl von Verpflichtungen meinerseits mit sich brachte wie:
- In seiner Praxis fÝr immer und ewig zu sitzen, um ihm den Drucker und andere ElektrogerÄte einzuschalten;
- Mit ihm eine gemeinsame Firma fÝr den Verkauf von Programmen an andere ärzte zu organisieren;
- Mit dem von der Firma erarbeiteten Geld ein privates psychiatrisches Sanatorium aufzubauen, fÝr das er bereits in der Umgebung von Linz einen halb verfallenen mittelalterlichen Turm besichtigt hatte, der als GebÄude dienen sollte;
- PersÆnlich die von ihm gezeichneten PlÄne fÝr die Restaurierung und den Umbau des Turms mit ihm zu erÆrtern (dabei wurde mir eine kleine von Hand gemachte Skizze gezeigt);
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Um reiche Patienten an Land zu ziehen, den Herrn Doktor in einen Herrn Professor zu verwandeln nach folgendem, sehr einfachen Plan:
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a) Im Internet Artikel zu angegebenen Themen in den drei mir bekannten Sprachen zu sammeln;
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b) Diese Ergebnisse im Hinblick auf die Patienten Doktor Napoleons statistisch aufzuarbeiten, damit man irgendwelche Grafiken erhielte;
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c) Diese Grafiken nach dem Vorbild von Ýblichen medizinischen Artikeln zu beschreiben;
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d) Dem Herrn zukÝnftigen Professor die Texte zu Ýberreichen, damit er kleine letzte änderungen einfÝgen kÆnnte, wonach die Texte unverzÝglich publiziert und die begeisterte Menschheit meinem Arbeitgeber den Professorentitel verleihen wÝrde;
- Ihn zu heiraten.
Amok. Er war endgÝltig irre geworden. Es war interessant, wen man wohl in die Psychiatrie eingeliefert hÄtte, wenn ich jetzt die Ambulanz gerufen hÄtte - den Herrn Psychiater oder seine Mitarbeiterin, die zudem noch seinerzeit bei ihm in psychotherapeutischer Behandlung war? Ich entschloß mich, nichts zu riskieren und ging einfach fort.
So nahm einer der schrecklichsten Monate meines Lebens seinen Anfang. Napoleon setzte alles ein, von Schreien und Drohungen bis zu Versuchen von Hypnose. Er fand irgendeinen Gauner, der sich zum Finanzdirektor der zukÝnftigen Firma erklÄrte, und nun Ýbten sie zu zweit Druck auf mich aus. Ich leistete Widerstand und suchte mir Arbeit. Seine Mitarbeiterinnen flehten mich an, alles zu unterschreiben, was Napoleon verlangte, solange er uns alle nichts ins Grab gebracht hÄtte. Eine von ihnen, die dreiundfÝnfzig Jahre alt war, weinte sogar. Einmal schien mir, er versuche einen seiner Psychos auf mich zu hetzen. Um Druck zu machen. Es ging glimpflich ab. Ich unterschrieb nichts.
Vor diesem Hintergrund lief meine Scheidung sehr friedlich ab. Als wir aus dem GerichtsgebÄude traten, blickte mich mein - nun bereits Ex - Mann mit wilden Augen an und sagte: "Was ist denn nun - habe ich jetzt etwa auch kein Recht mehr, dich zu kÝssen?" Und kÝßte mich auf der Stelle. Ich sagte ihm, es sei mÆglich, wenn es nicht oft vorkÄme, und wir gingen in ein CafÈ und frÝhstÝckten zusammen. Wonach ich mich aufmachte, um mich auf dem Gefilde der Psychiatrie zu betÄtigen.
Und es war ein Tag wie jeder andere und draußen war es November und ich zog aus dem Briefkasten drei Briefe.